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eLearning 09 (#bel09)

19 Sep 2009
Erstellt von carolab

Nach den überaus positiven Erfahrungen im GMW-Workshop "E-Assessment" an der Uni Zürich im Juni habe ich mich zu einem Beitritt der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft entschieden und mich anschliessend gleich für die "E-Learning 2009 - Lernen im Digitalen Zeitalter" angemeldet. Unter diesem gemeinsamen Konferenztitel fanden sowohl die Jahrestagung der GMW als auch die DeLFI (e-Learning Fachtagung Informatik der Gesellschaft für Informatik) und die Verleihung des Medida-Prix statt. Da ich nicht nur an eLearning und Didaktik interessiert bin, waren für mich die Sessions der DeLFI auch eine wahre Fundgrube an Ideen.

Ich habe die Reise nach Berlin nicht bereut, nicht zuletzt da ich mit einigen neuen Erfahrungen, Ideen und drei schweren Tagungsbänden im Gepäck wieder heimgekehrt bin. Zusätzlich kann ich nur bestätigen, was Thomas Bernhardt so schön "gezitschert" hat: "... und wieder zeigt sich, dass in den "Kaffee-Pausen" das meiste Potential von (konventionellen) Konferenzen schlummert." So durfte auch ich viele neue Kontakte knüpfen. Nicht zuletzt habe ich natürlich die angenehme Atmosphäre im neu erbauten Seminaris Campus Hotel und Kongresszentrum genossen.

Liest man nun die verschiedenen Blogeinträge zur Tagung, so fällt auf, dass Twitter ein ganz grosses Thema ist, an dem sich naturgemäss auch die Geister scheiden. Noch vor wenigen Jahren war es üblich, dass während oder nach Konferenzen gebloggt wurde, diesmal gab es sogar eine Twitterwall, auf der die einzelnen Beiträge nachgelesen werden konnten. Da ich selber "twittere", war es für mich auch selbstverständlich von der #bel09 zu berichten, wie ich das auch an anderen Tagungen, z.B. auf dem Drupal Media Camp bereits getan habe. Diesmal sind mir allerdings gewisse Vor- und Nachteile als auch Probleme mit dieser Form der Kommunikation viel bewusster geworden.

Die erste Schwierigkeit ergibt sich für mich im Multitasking, welches ich als Frau eigentlich beherrschen sollte. Eine Eigenschaft, die man ja auch der viel diskutieren Net Generation nachsagt. Und obwohl ich altersmässig klar nicht mehr zu dieser Gruppe gehöre, könnte ich mich dazu zählen, wenn man meine Art der Mediennutzung betrachtet. Nichtsdestotrotz fand ich es äusserst schwierig, einerseits mit voller Aufmerksamkeit einem Vortrag zu folgen und gleichzeitig dazu einen Beitrag von 140 Zeichen zu verfassen, der meines Erachtens auch noch ein wenig Gehalt haben sollte. Somit kann ich auch nicht leugnen, dass ich in manchen Fällen, durchaus nicht immer, dann getwittert und Tweets gelesen habe, wenn ich mich die Session nicht voll und ganz gefesselt und interessiert hat. In diesem Sinne kann Twitter auch ein schöner Zeitvertreib sein. Bestimmt werde ich noch einmal die einzelnen Tweets nachlesen und ein wenig genauer auf ihre Aussagekraft hin analysieren. Vieles wiederholte sich und beschränkte sich lediglich auf die Ankündigung in welchem Vortrag der Twitternde sich gerade befand, ob es Kekse gab und wie unangenehm die Temperatur in manchen Konferenzräumen war. Natürlich machen gerade diese Banalitäten Twitter und die Twitterer auch so sympathisch, aber mit diesem Social Web Angebot ein differenziertes Bild von einer Veranstaltung zu bekommen ist gar nicht so einfach. Und wie Jana Herwig in ihrem Blog bereits geschrieben hat, ist Twitter ein eiskaltes Medium, welches eine extrem hohe Anteilnahme erfordert. Mit 140 Zeichen pro Nachricht bietet es keine gehaltvolle ästhetische Dimension. Twitter ist aber nicht nur eiskalt, es verleitet zu Kommentaren, die man mündlich oder in einem Blog so vielleicht nicht abgeben würde. Die #bel09 hat hier auch gezeigt, dass die Twittergemeinde keine verschworene Gemeinschaft mehr ist, sondern sehr viele Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit bekommt.

Was das Programm betrifft, durfte ich an der PreConfernce einen gelungenen Workshop zu Kommunikationsstrategien in der E-Learning Beratungspraxis besuchen, der mir hoffentlich bei meiner weiteren Arbeit nützlich sein wird. Die Keynotes brachten nicht wirklich bahnbrechende Erkenntnisse und sollten bei einem Fachpublikum doch ein wenig spezifischer sein.

Natürlich kann ich hier nicht auf alle Sessions, die ich besucht habe eingehen. Zwei Themen daraus werde ich auch im web-schulzimmer (www.brunnbauer.ch) noch besprechen. Meine persönlichen Highlights der Tagung möchte ich aber schon hervorheben. Dies war zum einen der dialogische Vortrag von Gabi Reinmann und Tobias Jenert. Er hob sich so schön von den übrigen Sessions ab, in denen naturgemäss viele Powerpoint Präsentationen gezeigt und Folien besprochen wurden. Ich bin eigentlich ein sehr visueller Mensch und mag es, wenn Informationen auch schriftlich vorliegen. Seit einiger Zeit versuche ich aber auch mein Gehör wieder besser zu trainieren, was in den wöchentlichen Pilates-Lektionen schon recht gut gelingt. Es braucht viel mehr Aufmerksamkeit. Dem oben erwähnten Vortrag konnte ich die ganze Zeit über bestens folgen, was sowohl für das Thema als auch die Präsentation spricht.

Ebenfalls sehr interessant fand ich die Session mit dem Titel "E-Learning ade - tut Scheiden weh?". Damit war natürlich nur der Begriff als solches, der sehr unscharf definiert ist, gemeint. Spontan möchte ich dieser Forderung auch zustimmen und kann der Idee viel Positives abgewinnen. Die Frage, die sich mir allerdings noch stellt und die auch auf der Konferenz gestellt wurde, ist, welcher Terminus stattdessen eingeführt werden sollte. Der Ansatz und der Internetauftritt des Learntechnet der Uni Basel sind es auf jeden Fall wert, weiter beobachtet zu werden.

Da es für mich am Donnerstag bereits wieder zurück an die Uni ging, konnte ich den letzten Konferenztag nicht mehr live mitverfolgen. Leider, muss ich wohl sagen, habe ich dadurch auch das Projekt Learnersgarden und andere gute Beiträge verpasst. Zum Glück stehen ab nächster Woche ja dann die Präsentationen und Videos online zur Verfügung.

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