Generationengespräche
Im Rahmen meines Studiums zum MA in Educational Sciences habe ich das Glück ein Seminar bei Prof. Fritz Oser besuchen zu dürfen. Diese Woche standen zwei Generationengespräche auf dem Programm und wir konnten die "Seasons of Life" sozusagen hautnah in zwei Diskussionsrunden miterleben. Beide Abende, so unterschiedlich sie auch waren, zählen zu den positivsten Erlebnissen im Studium bisher.
Die Frauenrunde am Mittwoch mit "nur" fünf Teilnehmerinnen wies, was die Altersgruppen anbelangt, keine optimale Verteilung auf. Auch war die Partizipation der Teilnehmerinnen sehr unterschiedlich, reichte von Selbstdarstellung über Zurückhaltung bis zur absoluten Offenheit. Gerade diese Ehrlichkeit, ohne Tabus vor einer relativ grossen Gruppe fremder Menschen (Studierende) zu sprechen, war es, was grossen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Dazu kam die Emotionalität des Gesprächs. Es gab einige Momente, da war ich dermassen berührt, dass ich am liebsten mitgelacht oder auch geweint hätte. In manchen Schilderungen habe ich mich selbst wieder gefunden, habe in Windeseile mein eigenes Leben, meine Situation reflektiert und bin jetzt noch dabei zu verarbeiten und die Parallelen zu suchen und zu sehen. Vielleicht ist es die Tatsache, dass ich mich meinen Geschlechtsgenossinnen einfach näher fühle, was mich diesen Abend, obwohl die Diskussionsrunde selber manchmal etwas "harzig" war, viel intensiver erleben liess als den zweiten Abend.
Die Gesprächrunde mit den Männern zeichnete sich durch eine ausgewogene Abbildung der Altersklassen aus und auch die Gesprächsbeiträge waren einigermassen gleichmässig verteilt. Wie schon am Abend zuvor kamen unvermittelt Lebensweisheiten zu Tage, mit denen man nicht gerechnet hätte, Aussagen, die noch viel Stoff zum Nachdenken liefern. Für mein Empfinden war es bis auf wenige Ausnahmen, aber eher eine distanzierte Betrachtung und Schilderung der Situation und bei Weitem nicht so ergreifend wie bei den Frauen.
Ich kann mir durchaus vorstellen, wie schwierig es ist, Personen zu finden, die sich bereit erklären an einer derartigen Diskussionsrunde teilzunehmen. Deshalb sollte das auch keine Kritik an den Organisatoren und Organisatorinnen sein. Allerdings hatten sämtliche Gäste einen akademischen Hintergrund. Dies hat natürlich dazu geführt, dass die Diskussionsbeiträge von entsprechender Qualität waren, allerdings habe ich dabei so genannte "einfache" (nicht wertend gemeint) Leute vermisst, da ich der Meinung bin, dass gerade sie ganz viel an Weisheit transportieren können.
Manche Aussagen, Lebensabschnitte sowie die Hoffnungen und Wünsche dieser Menschen werden mich wohl auch die nächsten Tage noch beschäftigen.